Essays

Reflektierende Texte über Leben, Freiheit, Denken und gesellschaftliche Dynamiken. Analytisch, philosophisch und bewusst verdichtet formuliert.

Athena australis von Christian Zillner

Ki, Erlöser der Menschheit

Nie seit Christi Geburt verkündete mehr Fanfare einen neuen Erlöser als diesen: Er trägt den asiatisch anmutenden Namen Ai, doch ohne das Wei Wei des Künstlers Chinas, Ai muss uns genügen. In der Echokammer des Deutschen lautet er Ki – klingt auch Chinesisch, heißt ausgedeutscht aber nur künstliche Intelligenz. Gleich dem Gottessohn Jesus wurde Ki […]

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im osten lalaland

Was uns eint

Verletzlichkeit, sagte Wolfgang Oberkogler, Musiker und Arzt, in einer dunklen Kammer, verbindet alle Lebewesen. Letztlich führt sie auch zum Tod, ob in derselben Sekunde oder nach zehntausend Jahren. Lächelnd, erscheint sie im Dasein, verschwindet sie, wird es ernst. Bei Musik und Kunst schätzen wir unsere Verletzlichkeit, eröffnet sie uns doch den Zugang zu Erfahrungen und

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Portrait Aferdita

Historisches Wissen setzt keine Grenze

Es ist ein charakteristischer Befund unserer Zeit, dass Geschichte keine Grenze setzt. Warum bleibt historisches Wissen folgenlos? Die Geschichte hat die Mechanismen geopolitischer Interessen und die Dynamiken von Machtverschiebungen offengelegt; ihre Folgen sind analysiert und dokumentiert. Macht, Eskalation, Krieg – nichts davon ist neu. Und dennoch verhalten wir uns, als hätte die Geschichte selbst keinen

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marija profilbild

Meinungsfreiheit – oder doch nicht?

Ich habe es mir zum Hobby gemacht bei Beiträgen im Netz die Kommentare zu lesen. Ich kam zu dem Schluss, dass ich das schleunigst wieder lassen sollte. Warum, ist leicht erklärt. Früher im Zeitalter ohne Internet dachten wir oft, dass es Menschen aufgrund fehlender Informationen und erschwerter Informationsbeschaffung  schlicht an Unwissenheit fehlt. Nun im Zeitalter

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Profilfoto Aferdita Bogdaovic

Wir haben alles – nur kein Leben

Seit mehr als zweitausend Jahren umkreist das menschliche Denken dieselbe Frage: Wodurch gewinnt ein Leben an Sinn – durch das, was wir besitzen, oder durch das, was wir sind? Die Philosophie hat darauf viele Antworten gegeben, doch selten eine so prägnante Diagnose wie Erich Fromm in Haben oder Sein. Der Gegensatz ist dabei weniger moralische

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marioprofilfoto

Hat das Recht eine Seele?

Wer viele Jahre mit Recht gearbeitet hat, lernt, Distanz zu schätzen. Akten verlangen Klarheit, Verfahren verlangen Ordnung, Entscheidungen verlangen Eindeutigkeit. Gefühle stören, Zweifel verzögern, Zögern gilt als Schwäche. Die juristische Sprache ist eine Sprache der Abgrenzung: erlaubt oder verboten, zuständig oder unzuständig, schuldig oder unschuldig. Diese Nüchternheit ist kein Mangel. Sie ist eine zivilisatorische Errungenschaft.

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aferdita insta

Über Maß und andere Zumutungen

Haben wir bereits das Beste aus uns hervorgeholt – oder geht da noch etwas? Da schlummert doch sicher mehr. Es geht noch schneller, besser, effizienter. Ein paar optische Verbesserungen hier, ein neues Mindset dort – und schon winkt die Weltherrschaft. Spätestens dann müssten doch alle Sorgen erledigt sein. Auffällig ist, dass beim Nachdenken über Selbstoptimierung

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marioprofilfoto

Die Ethik der Verschwiegenheit

Zur philosophischen Bedeutung anwaltlicher Diskretion Verschwiegenheit gehört zu jenen ethischen Phänomenen, deren Bedeutung gerade aus ihrer Unsichtbarkeit erwächst. Sie entzieht sich der Geste, der Selbstdarstellung und der moralischen Pose. Wo sie wirkt, bleibt sie meist unbeachtet; wo sie fehlt, wird ihr Verlust unmittelbar spürbar. In der anwaltlichen Praxis erscheint Verschwiegenheit zunächst als rechtliche Pflicht. In

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Bild von Aferdita Bogdanovic

Poeting statt Dating – Neue Worte für die Liebe

Poeting statt Dating Neue Worte für die Liebe 2 Kommentare | Essays Wenn Worte Wirklichkeit formen, warum sollten wir ausgerechnet beim Ursprung der Liebe sprachlich so fantasielos bleiben? Michel Foucault bemerkte einst, dass Sprache ein Hebel ist – klein angesetzt, doch von großer Wirkung. Genau deshalb lohnt sich ein Blick auf das Wort Dating. Es klingt nach Zeitfenster, Effizienz

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marioprofilfoto

Die Ästhetik des Rechts im Geiste Immanuel Kants

I. Das Recht als Form der FreiheitDas Recht ist die äußere Bedingung der Möglichkeit gemeinsamer Freiheit. Es lässt sich – in Anlehnung an Kant – als ein System von Regeln fassen, in dem die Freiheit eines jeden mit der Freiheit aller nach einem allgemeinen Gesetz zusammen bestehen kann. Damit betrifft das Recht nicht, was der

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Christian Zillner

Wenn man nicht Autofahren kann, muss man darüber schreiben

Auto besagt ohne fremdes Zutun. Im Auto sieht die eigene Motorik nicht mehr spastisch aus. Es löst alles Krampfhafte, unter dem man außerhalb eines Autos leidet. Ein Führerschein, etwa ausgestellt von Beamten der Republik Österreich, gibt die Erlaubnis ein Auto zu führen. Man könnte auch fahren sagen, aber es klänge unpassend, denn im Auto geht es mehr als nur um

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Christian Zillner Aus der Serie Tschewengur

Eine kleine Geschichte der Intelligenz

Mein Lieblingssatz von Ludwig Wittgenstein lautet: Existenzsätze sind sinnlos. Natürlich ist das ein Existenzsatz, genau wie jener, den ich eben aufgeschrieben habe. Schon mit dem zweiten Satz in die Sinnlosigkeit geraten. Ist das intelligent? Intelligenz ermöglicht den Niederländern dem Meer Land abzugewinnen, aufwändig und langwierig. Sie nennen neu gewonnene Landesteile Polder. Einen vom Meerwasser zu

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Christian zillner aus der Serie Tschewengur

Nach der Kunst Wachstum

„Wie ein heulender Nordwind, fährt die Gegenwart über die Blüten unsers Geistes und versengt sie im Entstehen“, schreibt der Dichter Friedrich Hölderlin in Hyperion, einem Text, der aus dem alten Griechenland ein neues, und aus dem untertänigen Deutschland ein freies wachsen lassen will. Dazu wendet er sich aus der Geistlosigkeit der Gegenwart ins Geisterreich der Vergangenheit. „Ich

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andreas kreutzer 3 zoom sw

Das fehlende dialektische Denken in der Politik

Es ist schon bemerkenswert, dass im medialen Diskurs der Zusammenhang zwischen Bedeutungsgewinn von unreflektierten politischen Positionen und dem wachsenden Zuspruch zu akzentuierter rechter Politik so wenig Beachtung findet. An nichts berauscht sich die Wut der neuen Rechten mehr als an Wokeness, Diversity, Gendergerechtigkeit, feministischen oder antirassistischen Sprachregelungen. Wokeness und die damit verknüpften Beschränkungen der öffentlichen

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Bild Aferdita Bogdanovic

Pinselstriche eines Lebens

Vielleicht liegt der eigentliche Witz des Lebens nicht darin, die richtigen Entscheidungen zu treffen, sondern darin, jede Entscheidung als Teil eines größeren Kunstwerks zu begreifen. Gut und schlecht sind dabei keine endgültigen Urteile, sondern Farben auf einer Leinwand, deren Bedeutung sich oft erst mit Abstand zeigt. Was im Moment wie ein Fehlstrich wirkt, erweist sich

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Bild von Aferdita Bogdanovic

Ist die Liebe am Ende?

Wann ist die Liebe eigentlich so tragisch geworden? Oder war sie das immer – nur weniger gut erzählt? Gern blicken wir zurück und behaupten, früher sei alles einfacher gewesen. Beziehungen hätten länger gehalten, mitunter ein Leben lang. Schnell ist der Schuldige gefunden: die Schnelllebigkeit unserer Zeit, der zunehmende Egoismus, Tinder und seine Verwandten. Ein Wisch

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