Ich habe es mir zum Hobby gemacht bei Beiträgen im Netz die Kommentare zu lesen. Ich kam zu dem Schluss, dass ich das schleunigst wieder lassen sollte. Warum, ist leicht erklärt.
Früher im Zeitalter ohne Internet dachten wir oft, dass es Menschen aufgrund fehlender Informationen und erschwerter Informationsbeschaffung schlicht an Unwissenheit fehlt. Nun im Zeitalter des Internets können wir jedenfalls bestätigen: an mangelnder Information scheitert es nicht. Man muss sich nur selbstständig informieren wollen und die Quellen gut prüfen. Das ist natürlich mit einem gewissen Zeitaufwand und Willen zur Wahrheitsfindung verbunden. Viel einfacher ist es, ungefiltert und ohne wahrheitsgetreue Prüfung sein Unwissen und somit komplette Falschinformationen im Netz zu verbreiten. Schwierig wird es für denjenigen, der auf falsche Fakten hinweist oder auch nur eine Nuance von der dargestellten Meinung abweicht. Dann hagelt es nur so Beleidigungen, gezielte Diffamierung und nicht selten sogar Drohungen. Nennt man das heutzutage eine konstruktive Diskussion? Und da stellt sich einem die Frage: Gibt es Meinungsfreiheit überhaupt noch? Oder ist diese nur dann gestattet, wenn die Meinung auch allen anderen da draußen passt?
Wo sind sie hin? – die Zeiten, in denen man sich noch austauschen konnte und durch den Diskurs mit anderen seinen Horizont erweiterte. Im Internet gibt es diese Zeiten jedenfalls nicht (mehr). Es ist unglaublich wie viele unreflektierte Gedanken die Leute hier von sich geben und dabei denken, das Internet sei ein rechtsfreier Raum. Zudem darf man es ja nicht wagen etwas zu äußern, dass aus Sicht der in vielen Fällen wissensfernen Internetgemeinde nicht en vogue ist. Ehe man sich versieht, bricht ein Shitstorm los, der seinesgleichen sucht.
Ich beobachte dies oft bei Buchrezensionen, die ich selbst als Hobby veröffentliche. Ich bin bisher ganz gut davongekommen, da ich versuche auch Bücher, die ich nicht so prickelnd fand, charmant zu umschreiben. Einer anderen Rezensentin ist es passiert, dass sie aufgrund einer Kritik an einem Buch, welches sie schlichtweg nicht gut fand, von anderen LeserInnen tagelang durch den Dreck gezogen wurde. Es grenzte fast schon an Internetmobbing was da passierte und sie war kurz davor ihren Account zu löschen. Das Ganze nur, weil sie ihre Meinung über ein Buch geäußert hatte, das zu diesem Zeitpunkt in den Bestsellerlisten stand und die selbsternannte Internetpolizei nun mal nichts Schlechtes darüber lesen wollte.
Und auch hier frage ich mich: Ist die eigene Meinung nicht mal dann erlaubt, wenn es konstruktive Kritik ist? Nicht einmal, wenn es tatsächlich um die Bewertung und eigene Wahrnehmung einer unbezahlt abgegebenen Rezension geht? Wer entscheidet über Gefallen und persönliches Empfinden da draußen? Und welche Meinung richtig oder en vogue ist? Zum einen meint man, ungefiltert seine Meinung äußern zu können und zum anderen wird man verachtet, wenn man nicht der – von wem auch immer – vorgegebenen „Norm“ entspricht.
In einer Ära, die Toleranz großschreibt, stellt sich mir die Frage: Warum müssen wir uns überlegen, ob wir sachlich belegbare Dinge äußern oder lieber schweigen, nur um mögliche Beleidigungen zu vermeiden?
Bild: ©Sima Prodinger





