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Das fehlende dialektische Denken in der Politik

7. Januar 2026 | Andreas Kreutzer

Es ist schon bemerkenswert, dass im medialen Diskurs der Zusammenhang zwischen Bedeutungsgewinn von unreflektierten politischen Positionen und dem wachsenden Zuspruch zu akzentuierter rechter Politik so wenig Beachtung findet. An nichts berauscht sich die Wut der neuen Rechten mehr als an Wokeness, Diversity, Gendergerechtigkeit, feministischen oder antirassistischen Sprachregelungen. Wokeness und die damit verknüpften Beschränkungen der öffentlichen Rede sind das größte Geschenk, das selbsterklärte, liberale Humanisten der Rechten machen konnten. Solange – zumeist linke –Diskurswächter es schon für ausländerfeindlich halten, von Clankriminalität zu sprechen, für antimuslimisch das Kopftuch problematisch zu finden und für sexistisch, mindestens aber für “ transphob“, an der Existenz von zwei biologischen Geschlechtern festzuhalten, sind sie nicht weniger als zuverlässige Munitionslieferanten rechter Propaganda.

Die politische Mitte übersieht dabei völlig, dass die empfundene Bedrohung bereits vom politischen Wunsch ausgeht, in das persönliche Sprachempfinden und das Alltagsverhalten der Bürger hineinzuregieren. Es nicht erst die Tat, sondern bereits die kundgemachte Absicht, die zählt. Menschen ideologisch bekehren und umerziehen zu wollen, machte schon immer Angst. Normalerweise verbindet man das Missionieren mit der katholischen Kirche oder dubiosen Sekten. Jedoch sicher nicht mit Parteien, die in den Parlamenten vertreten sind. Kurzum, dass sich politische Extreme gegenseitig befeuern, ist nicht neu. Es ist ein so alter Mechanismus, dass man sich schon wundert, wie immer nur die Polarisierung beklagt, aber nie das hintergründige Zusammenwirken erkannt wird.

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